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J. S. Ann

Keep dreams alive

Weg ist es! 2016 und mein Buch!

Das Jahr 2016 neigt sich seinem Ende und ich schaue zurück auf alles was passiert ist, auf alles, was ich geschafft habe. Auf die vielen Freuden aus 2016.

Mein größtes Ziel war wohl mein Buch zu schreiben, zu überarbeiten und an die Testleser zu geben. Und ich habe es tatsächlich geschafft!

Zwischendurch habe ich zugegeben auch mal gezweifelt. Nicht nur, ob es gut ist, sondern auch, ob ich es noch bis zum Jahresende fertigstellen werde. Somit habe ich Ziel Nr. Eins auf meiner Liste für 2016 erfolgreich abgeschlossen.

Auch meine anderen Ziele habe ich ganz oder zum Teil erreicht. Allein der Umzug in eine neue, bessere Wohnung hat das Jahr 2016 zu etwas Besonderem gemacht. Endlich fühle ich mich in meinen vier Wänden wieder pudelwohl, habe meine kleine Schreibhöhle eingerichtet und koche in meiner riesigen, tollen Küche gesunde Mahlzeiten! Meine sportlichen Ergebnisse sind auch nicht schlecht, obwohl ich in den letzten Wochen einen Hänger hatte, nicht zuletzt, weil ich viel mehr Zeit als geplant am Buch gearbeitet habe. Aber man muss eben Prioritäten setzen und „Fürst der Kälte“ noch vor Weihnachten an meine Testleser zu übergeben, stand nun mal ganz oben auf der Liste.

In diesem Jahr ist viel passiert. Wertvolle Begegnungen, wichtige Lektionen die ich lernen musste & durfte, viele schöne aber auch traurige Momente hat es gegeben. Alles in allem, war 2016 seit langem wieder ein sehr produktives und für mich erfolgreiches Jahr. Ich bin einen großen Schritt weitergekommen und mein Leben hat sich mit Studium, Sport und Schreiben sehr verändert. Außerdem bin ich Menschen begegnet die ich nicht mehr missen möchte und freue mich mit ihnen allen gemeinsam in ein neues erfolgreiches Jahr 2017 zu starten. Die Planung steht, die Freude ist groß.

Jetzt heißt es aber zunächst ein paar Tage Urlaub machen. Urlaub von der Arbeit, Urlaub vom Schreiben und Urlaub von den sozialen Medien. Ich freue mich auf eine paar ruhige Tage mit meiner Familie.

2017 geht es weiter. Mit neuen Zielen, einem neuen Buch und vielen neuen Erlebnissen.

Euch allen wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest mit euren Liebsten und einen guten, schwungvollen Rutsch ins neue Jahr. Esst, trinkt und feiert! Vergesst für ein paar Tage die Sorgen und Verpflichtungen, wenn es möglich ist und genießt die besinnliche Zeit.

Alles Gute für euch!

Eure J. S. Ann

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Mein ganz persönlicher NaNoWriMo-November

Wahnsinnig viele Autoren, die ich bei Facebook beobachte, von denen ich lerne und immer wieder inspiriert bin, haben schon irgendwann im September darüber geschrieben, dass sie im November wieder im Ausnahmezustand sein werden. Denn im November findet der National Novel Writing Month statt. Schon letztes Jahr, bevor ich überhaupt angefangen habe mich ernsthaft mit dem Thema „Ich schreibe ein Buch“ auseinander zu setzen, ist mir der Begriff NaNo sehr oft über den Weg gelaufen.

Neugierig wie ich bin, habe ich mich hingesetzt und mir ein paar Infos dazu rausgesucht. Zu meiner großen Enttäuschung, ist die Website natürlich auf Englisch und mein Englisch ist nicht besonders, eigentlich eher schlecht! Sprachen liegen mir einfach nicht. Für mich lag nun aber das Problem vor mir, dass ich schon den Mut hatte bei diesem Schreibevent mitzumachen, aber ich verstand ja nicht mal die Regeln.

Nichtsdestotrotz, habe ich mich bei andren Autoren informiert und bemerkt, dass es ein ganz einfaches Prinzip ist. Schreib 50.000 Wörter in 30 Tagen.

Kurzer Hand, habe mir ich Ende Oktober meinen November angesehen. Ein paar Termine an den Wochenenden, hier und da ein bisschen was zu erledigen. Ansonsten ‚nur‘ Arbeit und Studium. Ich zählte also grob die Tage zusammen, an denen ich auf jeden Fall schreiben könnte, rechnete hin und her, schob noch zwei Termine von November auf Dezember, überlegte wie ich morgens noch mehr Zeit herausholen könnte, da ich morgens schreibe, und beschloss: Ich schaff die 50.000 Wörter! Das Ding war geritzt, ich würde antreten, wenn auch nicht offiziell über die NaNo Website. Dafür aber in einer wundervollen Gemeinschaft mit ein paar anderen Autorinnen, die ebenfalls ‚nur‘ inoffiziell teilnehmen würden.

 

Mein NaNo begann am 02. November mit einem super Start. Die erste Woche lief insgesamt absolut Problemlos. Ich muss dazu sagen, dass ich keine neue Rohfassung schreiben, sondern aus meiner bereits vorhandenen Rohfassung ein sauberes Buch formen wollte. Unzählige neue Ideen wollten eingearbeitet werden, eine neue Rohfassung entstehen. In meinem Kopf war alles fertig, ich plottete trotzdem Kapitelweise, änderte und überlies meinen Figuren mehr als einmal die federführende Hand.

Jeden Morgen schrieb ich mindestens 2.000 Wörter, was eine echte Herausforderung darstellte. Zum Ende von Woche zwei bemerkte ich, dass mir die Kraft ausging und ich dringend überarbeiten musste, da ich mich ein wenig hatte treiben lassen und vom Plot abkam. Also stand ein Wochenende an, an dem ich nur überarbeiten würde. Damit raubte ich mir zwei volle Schreibtage, an denen ich mehr als je 2.000 Wörter schaffen wollte. Aber ich biss in den sauren Apfel und formte an den ersten Kapiteln, bis es mir gefiel. Ich machte mir die nötigen Notizen und fühlte mich am Sonntagabend ausgelaugt, aber zufrieden. Am folgenden Montag, ging es wieder richtig los. Frisch startete ich in Woche drei. Und das dritte NaNo Wochenende habe ich mir von allen Verpflichtungen frei genommen und über 17.000 Wörter zu Papier gebracht. Schließlich beendete ich den NaNo am 23.11.2016. Die 50.000 Wörter waren geknackt. Am 30.11.2016 hatte ich 60.686 Wörter geschafft. Was für eine Leistung!

 

Ich war unheimlich stolz auf mich, bin es noch! Jetzt habe ich versucht für mich zu reflektieren, was der NaNo für mich war. Was er bewirkt hat und was ich daraus gelernt habe. Zum einen ist es für mich wahnsinnig faszinierend, wie groß die Gemeinschaft der Autoren ist. Alle werden plötzlich zu einer großen Gruppe mit demselben Ziel. Man feuert sich gegenseitig an. Es wird sich motiviert, es werden Sprints veranstaltet und gemeinsame Touren gemacht. Kaum einer schreibt mehr allein. Alle ziehen an einem Strang. Unter Autoren herrscht im Allgemeinen kaum Neid, oder Konkurrenzdenken, da man keine Geschichte mit der anderen vergleichen kann. Aber im November waren wir alle wie eine kleine Familie die ganz fest zusammen gehalten hat. Viele haben ihre Bücher in dieser Zeit fertigstellen können und genießen jetzt eine kleine Auszeit, viele haben schon überarbeitet und veröffentlicht. So viele unterschiedliche Projekte sind entstanden, neue Ideen entfacht worden.

 

Für mich persönlich war der NaNo der höchste Ansporn meinen Roman noch in diesem Jahr fertigzustellen und an meine Testleser übergeben zu können. Der NaNo hat mir meine Grenzen gezeigt, aber vor allem hat er mir gezeigt, welch außergewöhnliche Leistung ich bringen kann, auch unter Druck! Er hat mir geholfen wieder an meinen Zielen zu arbeiten und mich dazu bewogen im nächsten Jahr ein bisschen anders vorzugehen, als in diesem. Ich habe also nicht nur den NaNo 2016, sondern auch an Erfahrung gewonnen. Mit all den neuen Eindrücken wird 2017 ein aufregendes Jahr für mich. Ich freue mich auf April, wenn das Camp NaNo ansteht und auf den WriYoBo, während dem ich die Rohfassungen für Band 2 und 3 innerhalb eines Jahres schreiben werde.

 

Der NaNo 2016 war für mich auf ganzer Linie ein einziger Erfolg. Auch, weil ich dadurch viele neue Kontakte geknüpft und an wundervollen Freunden dazu gewonnen habe!

 

Wie war eurer NaNo? Habt ihr auch zum ersten Mal teilgenommen, oder seid ihr schon alte Hasen? Ich freu mich auf eure Erzählungen!

 

Eure J. S. Ann

Planung, und was sie mit dir machen kann!

Entgegen meinem Plan, heute  noch einmal an letztes Wochenende anzuknüpfen und 6.000 Wörter zu Papier zu bringen, habe ich da gesessen und an meinem Plan 2017 gefeilt.

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem Thema Planung und warum mir das Leben meine Planung immer wieder über den Haufen wirft. In der 21 Tage Challenge von Karin Wess, bin ich dann darauf gekommen!

Das Leben hält große und kleine Überraschungen bereit, wie auch Kontakt zu vielen anderen Menschen in den sozialen Netzwerken, Job oder Freundeskreis. Ich bin ein Mensch der seine Ziele hoch steckt. Jeder von euch wird jetzt denken, dass das doch etwas Gutes ist und bis gestern hätte ich das auch noch behauptet. Aber so viel ich im Jahr 2016 auch geschafft habe, es war mir nie genug. Was sich manchmal daraus ergab, waren frustrierte Fernsehabende die ich nicht einmal genießen konnte.

In der letzten Woche, vor allem aber gestern, habe ich versucht herauszufinden woran das liegt. Warum bin ich nicht zufrieden, warum schaffe ich meine Planung nicht? Die Antwort ist relativ einfach, wenn man sie erkennt. Ich habe meine Ziele und die damit verbundenen Aufgaben ein bisschen zu hoch gesteckt. Außerdem habe ich vergessen die großen Ziele herunter zu brechen und in kleine Ziele umzuwandeln. Es stand immer ein großer Berg Arbeit vor mir, den ich nicht zu bewältigen wusste, weil ich mir nicht bewusst war, wie viel wirklich dahinter steckt. Dann kam noch hinzu, dass ich in den sozialen Netzwerken, im Job oder bei meinen Freunden immer wieder Dinge hörte, die jeder so macht und erreichen will, die mich auch interessiert haben. Also habe ich sie kurzer Hand einfach irgendwo auf meine To Do Liste dazwischen gequetscht, ohne mich genauer damit zu beschäftigen. Neben Studium, Buch schreiben und Sport, sollte eigentlich nicht mehr viel Platz sein. Einige meiner Freunde haben mich auch immer mal wieder darauf hingewiesen, ob ich mir nicht ein bisschen zu viel vornehme und doch auch mal entspannen sollte. Entspannung kannte ich aber gar nicht mehr, ich stand immer und stehe auch jetzt noch total unter Strom. Ich habe abends schon im Kopf, womit ich am nächsten Tag beginnen werde und schlafe deshalb nicht besonders gut, wache meist nach 6,5 Stunden auf und bin sofort unruhig. Mein Herz schlägt aufgeregt, es hält mich keine 2 Minuten länger im Bett. Aber wirklich ausgeruht bin ich nicht.

Vor allem im November habe ich das ganz oft, fast jeden Tag festgestellt. Die Frage woran das liegt, konnte ich nicht beantworten. Jetzt kenne ich die Antwort. Ich war jeden Tag arbeiten, ich habe jeden früh fleißig geschrieben, habe nachmittags Sport getrieben, das Geschriebene überarbeitet, am Wochenende das Studium bearbeitet, war noch einkaufen, habe meine Wohnung in Ordnung gehalten, habe Weihnachtsdeko angebracht, Gäste empfangen und bewirtet, Bücher die auf meinem SuB lagen gelesen, mich für andere engagiert und ein bisschen mehr als sonst genetzwerkt. Habe immer anständig alle Whatsappnachrichten beantwortet, ob die nun sinnvoll waren oder nicht. Ach und nebenbei habe ich noch meine Irlandreise 2017 angefangen zu planen. Gesamtheitlich betrachtet, war das ziemlich viel. Während andere nämlich auf der Couch lagen und TV geschaut haben, stand ich noch unter Strom und habe gearbeitet, um meine Ziele zu erreichen. Das ist an und für sich eine gute Sache, aber es war trotzdem zu viel!

Letztendlich habe ich das Studium dann Beiseite gelegt, weil ich mich gar nicht mehr darauf konzentrieren konnte. Meinen Sport habe ich auch nicht mehr jeden Tag geschafft und es gab dann zwei Tage an denen ich den PC hoch- und sofort wieder runter gefahren habe, weil ich einfach nicht mehr konnte. Dann lag ich doch auf der Couch und habe mir Serien reingezogen. Diese Tage sind dann die Schlimmsten, weil ich zwar zur Ruhe kommen könnte, mein schlechtes Gewissen mich aber nicht lässt. Es faucht mich dann an, dass ich Zeit verschwende, anstatt weiter zu machen. Aber ich kann nicht weiter machen, weil ich total fertig bin. Ich mache mir innerlich so einen Druck, dass ich am Ende gar nichts mehr schaffe.

Ende vom Lied! Ich habe heute meine Planung 2017 völlig über den Haufen geworfen, ich habe nur 2.000 Wörter statt 6.000 Wörter heute geschrieben und ich habe nicht überarbeitet, was allerdings nötig gewesen wäre. Mein Ziel Band 1 bis zum 19.12.2016 fertig zu bekommen und es an meine Testleser zu übergeben, schwankt damit und zwar ziemlich stark. Dieses Wochenende ist das Letzte, an dem ich wirklich noch Zeit dafür hatte. Die nächsten bin ich immer unterwegs. Trotzdem habe ich alles weg gelegt und mir ernsthafte Gedanken über mein Jahr 2017 gemacht. Es soll genauso erfolgreich werden wie 2016, aber ruhiger, innerlich ruhiger!

Mit lieben Kolleginnen habe ich mich darüber ausgetauscht wo man am besten plant, weil das bei mir bisher auch ein ziemliches Chaos war. Und am Ende bin ich zum Schreibwarenhandel gegangen, habe mir ein paar Kleinigkeiten gekauft und meinen Timer 2017 selbst zusammengestellt. Ja, das hat ein paar Stunden gedauert, aber das war es mir heute einfach Wert. (Leute die spontan in den Tag hineinleben und die Planung nicht so sehr lieben wie ich und viele andere, werden jetzt den Kopf schütteln, aber urteilt nicht, wir lassen euch auch spontan sein!)

All die Sachen, Listen, Übersichten, Projektplanungen, Zielelisten etc. die mir immer in den normalen Terminplanern fehlen, habe ich heute einfach selbst erstellt und mir den perfekten Planer gebastelt. Dabei habe ich auch sehr schnell festgestellt, was ich 2017 wirklich alles schaffen kann und was ich noch etwas nach hinten verschieben muss, wenn ich nicht wie in den letzten Monaten nervös und unkonzentriert durch die Gegend laufen will.

Am härtesten wird es für mich sein, meine To Do Listen einfach mal einzuhalten, ohne über den Tag verteilt noch mehr drauf zu schreiben. Das ist etwas woran ich arbeiten möchte, sogar muss, weil ich sonst weiterhin Tage haben werde, an denen ich einfach nicht mehr kann und dafür ist jeder Tag zu schade.

Eine sehr wichtige Veränderung in meiner Planung 2017 ist die, dass ich mir den Freitag komplett frei lasse. Diesen Tag werde ich zukünftig so nutzen, wie es mein Herz mir sagt. Wenn es lesen will, werde ich lesen, wenn es Serien gucken will, werde ich Serien gucken und wenn es total Lust auf Sport hat, dann eben das. Mit diesem Tag möchte ich mir vorwegnehmen, einfach mal aus meiner Planung ausbrechen zu müssen. Denn wenn ich einen Tag in der Woche ‚frei‘ habe, kann ich an den anderen mit Vorfreude auf Freitag, viel leisten.

Was ich auch, aber ab sofort, ändern werde, ist etwas, was mir arg zu schaffen macht. Jeder der mich etwas besser kennt, weiß wie sehr ich unsere Handygesellschaft verachte und doch habe ich mich selbst versklaven lassen. Mit Facebook, Whatsapp und co. ist man ständig und überall erreichbar. Obwohl es mich oft sehr viel Kraft kostet nicht patzig zu reagieren, wenn mir jemand eine völlig unnötige Whatsapp schreibt, weil derjenige offenbar gerade Langeweile hat, habe ich freundlich geantwortet, meist sogar sofort. Das Gleiche bei Facebook. Aber damit ist jetzt Schluss. Je länger das Handy nicht in meiner Nähe ist, desto wohler fühle ich mich und aus diesem Grund werde ich es jetzt einfach in meiner Tasche lassen. Lautlos war es ohnehin schon die ganze Zeit, wenn es jetzt noch in der Tasche bleibt, nervt mich auch die kleine LED nicht, die mir sagt, dass ich Nachrichten habe. Wenn es wichtig ist, rufen mich die Leute an, das hat die Vergangenheit gezeigt. Nachrichten werden dann beantwortet, wenn ich mich in Ruhe hinsetzen und mich damit beschäftigen kann. Es ist nicht nötig immer erreichbar zu sein. Mein Leben gehört mir, ich habe die Fessel jetzt abgelegt und werde mich auch nicht mehr rechtfertigen, wenn ich keine Zeit habe, das machen andere auch nicht. Denn am Ende ist jede Whatsapp oder FB Nachricht ein paar Minuten Ablenkung von dem, was ich gerade tue.

Kurz zu meiner Planung 2017:

Wenn Band 1 tatsächlich vor Weihnachten fertig wird, geht er zunächst zu meinen Testlesern. Währenddessen plotte und schreibe ich an Band 2, den ich bis Ende April im Camp NaNo in Rohfassung fertigstellen werde. Bis Ende Juni lasse ich das gute Stück dann liegen und plane Band 3, den ich von September bis Ende November im NaNo in Rohfassung fertigstellen werde. Band 2 wird von August bis Ende September überarbeitet.

Band 1 ist hoffentlich bis Ende Januar von meinen Testlesern zurück, dann wird er bis Ende März überarbeitet. Je nachdem wie die Meinung meiner Testleser ausfällt, wird es eine zweite Testrunde geben und danach in Bewerbung gehen oder gleich in Bewerbung gehen.

Mein Studium werde ich bis Ende 2016 aussetzen, dann aber bis Ende August 2017 abschließen.

Im Juni geht es endlich nach Irland! Eine Reise von der ich schon seit Jahren träume *-*

Ich möchte in Zusammenarbeit mit meiner lieben Kollegin Jay Aveline Quinn meine eigene Website erstellen und mehr Netzwerken/ besseres Marketing oder überhaupt Marketing betreiben.

Außerdem stehen Sport, viele Konzerte und andere Freizeitaktivitäten auf dem Plan auf die ich mich wahnsinnig freue und aus denen ich wieder viel Kraft, Energie und Kreativität schöpfen werde.

Wie sieht eure Planung 2017 aus? Hattet ihr auch solche Probleme wie ich oder läuft es bei euch immer schön glatt?

Eure J. S. Ann

PS: Dieser Beitrag ist für mich wie ein Seelenbrief. Aufzuschreiben was einen beschäftigt, es dann zu teilen oder zu verbrennen hilft es zu verarbeiten und weiter zu machen. Wenn es euch ähnlich geht, egal mit welchem Thema, schreibt es auf.

Staatsaffäre

Der zerknitterte Brief in meinen Händen war inzwischen über drei Wochen alt, die geschwungenen Buchstaben unter eingetrockneten Kaffeeflecken verwischt und schwer lesbar. Selbst stetiges Ein- und ausatmen half mir nicht, die aufkommenden Tränen zurückzuhalten. Ehe mein Schluchzen laut werden konnte, hob ich die Hand vor meinen Mund, aber es half nichts.

„Katharina“, hörte ich Gregor hinter mir flüstern. Bevor ich seine tröstende Hand am Rücken spüren konnte, hielt er inne. Ich roch sein würziges Aftershave und fühlte seine Nähe. Doch er berührte mich nicht. Nur sein schwerer Atem traf mich wie eine warme Brise im Nacken.

„Der Brief kam zu spät, du hättest nichts tun können.“

„Nein. Christian hätte ich nicht mehr retten können, aber vielleicht das Mädchen.“ Ich drehte mich nicht um, sondern sah weiter aus dem Fenster unserer Villa. Der Sommer neigte sich seinem Ende zu, auch wenn die Bäume noch schwere grüne Kronen trugen, sah man den Herbst heranschleichen.

„Lydia Stein“, flüsterte nun ich. „Sie hat versucht, mich zu warnen. Warum kam der Brief so spät?“

Endlich zog Gregor mich in seine Arme. Und weil ich mich in diesem Augenblick so sehr danach sehnte, verkroch ich mich in seiner Stärke und versteckte mein Gesicht an seinem Hals. Für einen Moment wollte ich alles aussperren und mich der Geborgenheit meines Mannes hingeben. Diese Vertrautheit überraschte ihn, das spürte ich an seinem Zögern, ehe er die Arme fester um mich schlang und meine Schläfe küsste. Ganz so wie es früher einmal zwischen uns gewesen war. Mir war bewusst, dass ich die Schuld daran trug. Ich hatte uns auseinandergetrieben. Es war erstaunlich, wie lang Gregor an uns festhielt. Ich hatte ihn von mir gestoßen und jetzt wünschte ich mir, es wäre wieder wie vorher. Lang hielt der innige Moment zwischen uns auch nicht an. Gregor hatte gelernt, sein Herz vor mir zu schützen, und schob mich wenige Minuten später sanft von sich. Der Blick aus seinen blauen Augen war ruhig und mitfühlend und er schenkte mir ein warmes Lächeln. Was er gleich sagen würde, wusste ich bereits.

„Wir müssen jetzt herausfinden, wer diese Lydia ist und was sie wirklich wusste, Katharina, bevor es die Presse für uns tut. Wenn die herausfinden, dass ein Mädchen wegen dir entführt wurde, hast du bei der Wahl keine Chance mehr.“

Natürlich hatte er recht, aber mir war die Wahl gerade gleichgültig. Mein bester Freund wurde erschossen. Eine Kugel, die mir galt, traf ihn. Ein junges Mädchen hatte versucht, mich zu warnen, und wurde kurz darauf entführt. Nur einen Moment wollte ich eine trauernde Frau sein, die nicht das Wohl einer ganzen Nation auf ihren Schultern trug. Katharina Hillmann, Ehefrau von Gregor Hillmann, einem wunderbaren Mann. Nicht Katharina Hillmann, Bundeskanzlerin eines zerrütteten Deutschlands in Zeiten von Krieg und Elend.

„Das Mädchen hatte Angst zur Polizei zu gehen, weil man ihr, wegen ihres familiären Hintergrund, wahrscheinlich keinen Glauben schenken würde“, seufzte ich. „Ich dachte, das hätte ich abgeschafft.“

„Abgeschafft?“ Gregors Blick wurde jetzt deutlich kühler, als hätte ich etwas furchtbar Naives gesagt.

„Vielleicht in der ländlichen Gegend, wo es noch nicht so viele Auseinandersetzungen gibt, aber gerade hier in Berlin? Wann hast du zuletzt auf die Straßen geschaut, Katharina?“ Sein Ton klang ärgerlich und passte zu seinen plötzlich verengten Augen. Sein Versuch, seine Züge zu entspannten, zeigte mir, dass er mir diese Missbilligung nicht so deutlich vorwerfen wollte. Dafür war es nun aber zu spät.

„Ich weiß, dass ich wieder mehr tun muss“, flüsterte ich. Aber es war schwer und er hatte keine Ahnung wie schwer.

„Mir tut ja auch leid, was mit Christian passiert ist. Du kannst dich aber nicht ewig dahinter verstecken und…“

„Es ist ja nicht so, als hätte ich erst mit dem Anschlag die Augen vor der Realität verschlossen“, beendete ich seinen Satz. Gregor nickte, dann wendete er sich ab und ging hinüber zu meinem Schreibtisch. Zeit, die ich nutzte, mir den Brief in meinen Händen noch einmal anzusehen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mein Name ist Lydia Stein, ich wohne in Berlin Tempelhof. Als ich heute nach Hause kam, habe ich ein Gespräch belauscht, in dem es darum ging einen Anschlag auf Sie zu verüben. Wer die beiden Männer waren, weiß ich nicht, obwohl der eine vielleicht ein Kunde meiner Mum sein könnte. Irgendwie kam mir seine Stimme bekannt vor. Der andere hatte einen komischen Akzent oder eine Sprachstörung. So genau konnte ich das nicht heraushören. Vielleicht war er auch einfach nur betrunken. Sie kennen Tempelhof und wissen, wie die Menschen, die hier leben, sind. Der eine Mann hat dem mit dem Akzent den Auftrag gegeben, Sie bei einer öffentlichen Veranstaltung an einem Kinderheim (Sie wissen ja am Besten, wann Sie so einen Termin haben) zu erschießen.  Mehr haben die zwei aber nicht dazu gesagt. Aber der eine wollte dem mit dem Akzent das Geld an einem anderen Tag vorbei bringen. Zur Polizei zu gehen traue ich mich nicht. Wer glaubt schon einem 15 jährigen Mädchen aus Tempelhof, noch dazu, wenn die Mutter bei der Polizei wegen Drogen und Prostitution bekannt ist. Ich kann nur hoffen, dass Sie den Brief rechtzeitig erhalten. Ich weiß ja nicht, wann Sie dieses Kinderheim besuchen.

Ich hoffe Sie bekommen meinen Brief.

 Ihre Lydia Stein

Wenn er rechtzeitig zugestellt worden wäre, hätte ich den Besuch im Heim absagen oder verschieben können.

„Hätte man den Brief nicht sofort an mich weitergeben müssen?“ Ich hatte mich gegen den Fenstersims gelehnt und den Brief vorsichtig wieder zusammen gefaltet.

Tief atmend, ich sah, wie schwer sich seine breiten Schultern hoben und senkten, drehte sich mein gut aussehender Mann wieder zu mir um. Die Jahre hatten seiner Attraktivität nichts anhaben können. Das grau melierte Haar stand ihm hervorragend. Nur die Abneigung in seinem Blick war neu und traf mich unerwartet hart.

„Wie die Polizei zweifelt wohl auch deine Postbearbeitung an der Glaubwürdigkeit eines 15 jährigen Mädchens.“ Er seufzte, senkte einen Moment den Kopf, als müsse er sich sammeln oder seine nächsten Worte genau überdenken. Als er den Blick wieder hob und mich ansah, war die Abwehrhaltung verschwunden. Er seufzte. Dann erkannte ich, dass er resignierte. Wann hatte er das zuletzt getan?

„Es tut mir leid“, stammelte er hilflos. Ich sollte dich nicht so angehen. Es ist nur… ich trage das nun schon so lang mit mir herum und immer, wenn ich mit dir über uns reden will, bist du mir ganz bewusst aus dem Weg gegangen.“ Erwartungsvoll sah er mich mit seinen großen blauen Augen an. Im ersten Moment bebte Euphorie in mir auf. Ich wollte ihm einfach sagen, warum ich mich verhielt, wie ich es tat. Doch dann schwieg ich. Ich schwieg so lange, bis er sich einfach umdrehte und das Zimmer verließ. Wieder einmal hatte ich es geschafft, ihn von mir zu stoßen, obwohl er mir helfen wollte. Warum konnte ich ihm nicht einfach sagen, dass ich sowieso sterben würde? Ob nun durch einen Anschlag oder den Tumor in meinem Kopf, war dabei gleichgültig. Ich schaffte es einfach nicht, meinen eigenen Ehemann, in meine Angst einzuweihen. Nach einem Moment wendete ich mich wieder zum Fenster und sah hinaus. Für Christian würde ich stark sein, immerhin wollte ich den Mörder zur Rechenschaft ziehen und wenn das Mädchen die Wahrheit schrieb, hatten wir eine reelle Chance ihn zu stellen. Deshalb musste ich Lydia finden und beschützen.

„Frau Hillmann?“

„Hm?“ Geistesabwesend, sah ich mich um.

„Ich habe hier den Bericht, den sie angefordert haben. Ich fürchte, das wird Ihnen nicht gefallen.“

Diese Befürchtung hatte ich schon, als ich den Brief zum ersten Mal gelesen hatte. Dennoch wollte ich wissen, wer Lydia Stein war, und hatte einen Polizeibericht über sie angefordert. Einen der auf direktem Weg zu mir gelangen sollte. Ich wollte niemanden einweihen, ehe ich nicht mehr wusste.

„Danke, Melanie.“

Die Akte wog nur ein paar Gramm. Kein Wunder, es befanden sich auch nur 3 Blätter darin.

„Melanie?“, rief ich, gerade als sie die Tür hinter sich schließen wollte. „Was ist mit der Akte der Mutter?“

Unschuldig zuckte meine Sekretärin mit der Schulter.

„Sie haben mir zunächst nur die Akte der Kleinen geschickt, aber ich telefoniere noch einmal mit dem Archiv und werde ihnen die Dringlichkeit deutlich machen.

„Ja, bitte tun Sie das. Danke.“

Das Klicken des Schlosses hörte ich schon nicht mehr, weil ich auf das Foto der kleinen Lydia fixiert war. Sie konnte auf der Aufnahme nicht älter als 13 gewesen sein und doch sahen mich ihre großen blauen Augen wissend an. Neben dem Foto stand eine Überschrift. Sie hatte in einem Supermarkt ein paar Lebensmittel gestohlen. Ansonsten gab es keine Eintragungen über gesetzeswidriges Verhalten. Nur einen Bericht darüber, dass man sie nach 5 Tagen die sie in einem der Auffangheime für Jugendliche verbrcht hatte, zu gehen bat, da sie ein Zuhause hatte. Diese Heime waren in der Tat eher für Kinder und Jugendliche gedacht, die kein Zuhause hatten. Aber eine Jugendliche in eine ungewisse Zukunft schicken? So lauteten meine Regeln nicht! Eine Welle von Zorn erfasste mich, als ich las, dass das Mädchen mit blauen Flecken übersäht mitten in der Nacht um Hilfe gebeten hatte. Wie konnte man sie zurückschicken, ohne das Jugendamt zu informieren? Hier stand von weiteren Besuchen in verschiedenen Heimen. Meist abends, wenn sie längst hätte im Bett liegen sollen.

Nachdem ich die drei Seiten studiert hatte, ließ ich die Zettel in meiner Hand sinken, starrte aus dem Fenster in meinem Büro im Kanzleramt und fragte mich, wie ein unschuldiges Kind in einen solchen Schlamassel hinein gezogen werden konnte? Beim plötzlichen Klopfen an der Tür zuckte ich zusammen und fuhr fröstelnd herum. Eilig schob ich die Akte unter eine andere, straffte mich und rief:

„Ja, bitte?“ Das Zittern meiner Finger, konnte ich kaum verbergen.

Jemand spannte mich auf die Folter. Zunächst sah ich nur einen weißhaarigen Hinterkopf, dann die Uniform, als die Tür sich einen Spalt weiter öffnete. Mein unhöflicher Besucher sprach noch mit jemandem außerhalb meines Büros. Ich strich meinen dunkelblauen Blazer glatt und verschränkte die Arme trotzig vor der Brust. Wer traute sich da, mit dem Rücken zuerst in mein Büro zu treten und mich noch dazu warten zu lassen? Nach ein paar weiteren Worten, die ich nicht richtig verstehen konnte, bekam ich endlich meinen Besucher ganz zu Gesicht. Der Chef des Staatsschutzes. Aber nur weil er es war, entspannte ich meine Haltung nicht. Sein Verhalten war respektlos und mein Blick schien ihn daran zu erinnern, wem er einen Besuch abstattete. Sobald sich unsere Blicke begegneten, wich das alberne Grinsen von seinen Lippen und er wurde ernst.

„Bitte entschuldigen Sie, Frau Bundeskanlerin, Ihre Sekretärin hat mich nur darauf aufmerksam gemacht, dass sie in einer halben Stunde Ihren nächsten Termin haben.“

Mein Blick hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Ich deutete auf die kleine Sitzecke am anderen Ende meines geräumigen Büros.

„Lassen Sie uns dort drüben Platz nehmen“, bot ich Leopold Ferster an. Der Mann war schon fast 60 und trotzdem in ausgezeichneter Form. Sein Motto, das ich wohl nie vergessen würde, lautete: Wenn ich selbst den Verbrechern nicht mehr nachjagen kann, wie soll ich es dann von meinen Kollegen oder den Rekruten erwarten?

Einerseits verstand ich ihn, andererseits hätte er das gute Recht, seinen Job im Büro zu tätigen und die nächste Generation auf die Straße zu schicken. Andererseits lebten wir im Krieg und brauchten jeden Schutz, den wir bekommen konnten. Seit die Anschläge des IS sich in den letzten 10 Jahren auf der ganzen Welt ausgebreitet hatten, war man nirgends mehr sicher. Deshalb verstand ich, warum er sich nicht in ein warmes Büro verkroch. Bevor ich von meiner Krankheit erfahren hatte, ging es mir ähnlich.

Wir nahmen Platz und gleich darauf, trat Melanie mit Kaffee und Gebäck zu uns.

„Kann ich sonst noch etwas bringen?“ Ich schüttelte den Kopf und sie verließ das Zimmer. Erst als die Tür leise ins Schloss gefallen war, wendete sich Herr Ferster direkt an mich.

„Wie kann ich Ihnen helfen? Ihr persönlicher Anruf, hat mich etwas überrascht, muss ich zugeben.“ Natürlich hat es das, dachte ich und schenkte uns beiden Kaffee ein.

„Es gibt etwas zum Mord an Christian.“ Ich machte eine Pause ehe ich seinen Nachnamen für die korrekte Abhandlung des Falls hinzufügte. „Knast.“

Hellhörig geworden, sah mich Herr Ferster an. Seine weißen, buschigen Augenbrauchen hoben sich weit von seinen glasigen grauen Augen ab, was seine kaum faltige Haut straffte. Er wirkte plötzlich nicht wie 60, sondern eher wie ein neugieriger Lausbub von 12 Jahren, dem man gerade eine neue Knobelaufgabe gestellt hatte.

Nach einem zögerlichen Moment hielt ich ihm den zerknitterten Brief der kleinen Lydia hin. Bevor er ihn nahm, runzelte er die Stirn.

„Dieser Brief erreichte mich erst gestern. Wir wissen nicht genau, an welcher Stelle er zurückgehalten wurde.“

Den Verdacht zu hegen, dass hier Absicht vorgelegen hatte, war eine Sache, ihn jetzt laut auszusprechen, eine ganz Andere. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Vor Aufregung hörte ich mein Blut in den Ohren rauschen. Herr Ferster las die wenigen Zeilen und sah mich dann erstaunt an.

„Der Stempel ist drei Wochen alt“, berichtete ich ihm und hielt ihm den Umschlag vor.

„Und Sie glauben, er wurde absichtlich zurückgehalten?“

Ich antwortete mit einem Schulterzucken, denn meine Antwort war ja. Noch einmal überflog er den Brief, wobei ich ihn aufmerksam beobachtete. Ich wollte wissen, was er darüber dachte.

„Kennen Sie denn das Mädchen?“

„Nein, aber ich weiß, dass sie seit zwei Wochen verschwunden ist.“

„Vielleicht ein Ausreißer.“

„Schreibt ein Ausreißer solche Briefe? Ich glaube nicht.“ Meine Stimme wurde ein wenig schrill, aber die Aufregung saß mir nun in der Kehle. Ich hatte den halben Tag warten müssen, ehe ich es endlich mit jemanden besprechen konnte. In der letzten Nacht hatte ich kaum ein Auge zugetan.

„Also, dann erzählen Sie mal.“, forderte mich Herr Ferster auf und lehnte sich zurück. Trotz der Geste, wirkte er angespannt.

„Da gibt es nicht viel zu berichten. Melanie, meine Sekretärin, fand den Brief rein zufällig im Müll. Sie ist äußerst gewissenhaft und durchsucht die entsorgten Briefe und Dokumente genau, bevor sie in die Vernichtung gebracht werden. Wer auch immer den Brief hineingeworfen hat, war damit nicht vertraut.“ Ich machte eine Pause und atmete tief durch. „Schließlich hat sie ihn meinem Mann gegeben, der ihn gestern Abend an mich weiter gab.“

„Hm. Wann hat ihn denn ihre Sekretärin gefunden?“

„Vor zwei Tagen.“

„Und warum erhielten Sie ihn dann erst gestern?“

Ich lächelte bei der Frage, weil ich Gregors verstörtes Gesicht noch vor mir sehen konnte.

„Mein Mann wusste nicht, wie er es mir sagen sollte.“

„Immerhin ging es in dem Brief um einen Anschlag auf Sie“

„So ist es.“

Beide schwiegen wir einen Moment, wobei ich Herrn Ferster ansehen konnte, dass er emsig nachdachte und die wenigen Fakten bereits zusammen reimte.

„Der Mord an Christian Knast war also in Wirklichkeit ein Anschlag auf Sie gewesen. Damit ändert sich der ganze Fall. Wir müssen alles neu überdenken und…“ Leopold Ferster sah ein wenig ratlos aus, als er mich wieder ansah. Nur zu gut, konnte ich dieses Gefühl nachvollziehen.

„Ich bin noch nicht in Sicherheit. Nur weil es ruhig war, heißt das nicht, dass der Attentäter es nicht wieder versuchen würde.“

„Haben Sie…“

„Natürlich. Das Sicherheitspersonal wurde verdoppelt.“

Der Chef für Staatsschutz lächelte mich matt an.

„Gut. Ich werde den Brief mitnehmen und untersuchen lassen. Bitte sprechen Sie mit niemandem über unsere Unterhaltung, mit niemandem!“, beharrte er sehr ernst.

Am späten Nachmittag, wollte Gregor mich mit Kaffee und Kuchen überraschen, aber ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich ihm kaum zuhörte, bis er mich fragte, was der Staatsschutz denn wollte. Ob es etwas Neues in Christians Fall gäbe. Aber ich verneinte und tat, als hätte ich Unmengen Papierkram zu sichten.

„Es ist so vieles liegen geblieben.“. Dabei wühlte ich, so gut es ging, in meinen wohl sortierten Akten herum, als suche ich eine ganz bestimmte. Ich hatte überhaupt keinen Kopf für diese Dinge, ich wartete einfach nur auf einen Anruf und Neuigkeiten.

Als das Telefon schließlich läutete, waren wir schon zu Hause. Die Uhr zeigte an, dass es kurz vor Mitternacht war.

„Hillmann“, hörte ich Gregor aus dem Wohnzimmer. Ich machte mich bereits auf den Weg in mein Büro, wo ich ungestört mit dem Polizeichef sprechen konnte. Wie erwartet, dauerte es nicht lang, bis Gregor mir das Gespräch auf meine Leitung legte.

„Frau Hillmann? Ich hoffe, ich störe nicht.“ Ohne auf meine Antwort zu warten sprach er weiter. „Es gibt noch keine Neuigkeiten, was Lydia betrifft, außer, dass sie seit zwei Wochen weder zu Hause war, noch in einem der Heime, die sie sonst aufsuchte, oder in der Schule. Ihre Mutter wirkte zwar nicht besorgt, hat aber eine Bemerkung fallen lassen, dass es ihm nicht gefallen würde. Auf Nachfragen, von wem Sie spricht, hat sie nichts mehr gesagt. Vermutlich spricht sie vom Vater, der Alimente zahlt. Für das Gehalt einer Kassiererin ist die Wohnung sehr luxuriös eingerichtet. Leider wissen wir nichts über den Vater und konnten ihn nicht ausfindig machen. Vielleicht ist sie ja bei ihm.“

„Glauben Sie das wirklich?“ Denn ich tat es nicht und Leopold Ferster klang ebenfalls nicht danach.

„Nein“, bestätigte er. Sie würden jetzt nach ihr suchen.

„Hat denn die Mutter das Mädchen als vermisst gemeldet?“

Leopold Ferster lachte mit diesem sarkastischen Unterton, den ich hasste, weil er nichts Gutes verhieß.

„Nein, wo denken Sie hin. Die Schule hat sich mit den Heimen in Verbindung gesetzt und eine Mitarbeiterin des Anne Frank Heims hat sich an die Polizei gewendet“

„Hm.“ Was hatte ich auch anderes erwartet, nach dem Inhalt des Briefes. Vermutlich war ihrer Mutter gleichgültig, was mit ihrem Kind geschah. So traurig.

„Frau Hillmann?“, riss mich Ferster mit wachsamer Stimme aus den Gedanken.

„Ja, ich bin noch am Apparat.“

„Wir waren noch einmal bei Christian Knast zu Hause. Wir haben da mit Hilfe seiner Frau etwas gefunden.“

Sofort war ich hellhörig und schwieg, um ihn nicht zu unterbrechen.

„Sie hat einen USB Stick gefunden, auf dem sich Dateien befinden, die man zum Erstellen eines anonymen Briefes benötigt.“

„Oh, der Brief von Lydia ist handgeschrieben“, warf ich sofort ein.

„Darum geht es nicht.“

„Worum denn dann?“

„Ist Ihr Mann in der Nähe?“

„Was? Nein.“

Ich hatte gerade die Tür zum Schlafzimmer gehört. Gregor würde längst schlafen, ehe ich mich ins Bett begäbe.

„Wir haben die Vorlage zu einem solchen Brief in Herrn Knasts Unterlagen gefunden.“

„Was hat er denn geschrieben um Himmelswillen?“

„Der Brief war an Ihren Mann gerichtet, jedenfalls müssen wir davon ausgehen.“

„Nun sagen Sie schon, was drin stand“, wurde ich ungehalten und äußerst nervös. Wie am Mittag begannen meine Hände unkontrolliert zu zittern.

„Er hat ihm gedroht, sein Geheimnis aufzudecken.“ Die Pause, die er machte, dauerte mir eindeutig zu lang.

„Wussten Sie, dass Ihr Mann eine Tochter hat?“

Augenblicklich plumpste ich in den Sessel, der glücklicherweise hinter mir stand. Mir wurde heiß und kalt zugleich. Ich bin sicher, mir wich jede Farbe aus dem Gesicht. Schweres Atmen am anderen Ende erinnerte mich daran, dass ich etwas sagen sollte, aber ich brachte keinen Ton hervor.

„Ich vermute, das bedeutet nein.“

Als hätte er es sehen können, schüttelte ich zur Bestätigung den Kopf.

„Frau Bundeskanzlerin, ich werde mich jetzt auf den Weg zu Ihnen machen, wir müssen dringend mit ihrem Mann sprechen.“

„Natürlich.“

„Dann tun Sie mir den Gefallen und verhalten Sie sich nicht ungewöhnlich und warten Sie auf mich. Ich bin in 20 Minuten bei Ihnen.“

„Hm“, ich wollte auflegen.

„Ach und… geben Sie Ihrem Sicherheitspersonal Bescheid.“ hörte ich ihn noch etwas schärferen Tones rufen, bevor ich den kleinen Knopf mit dem roten Hörer betätigte. Wie in Trance befolgte ich seine Bitte und gab den Code in ein kleines Tastenfeld neben der Wohnungstür ein, um die Alarmanlage abzuschalten, dann informierte ich meinen persönlichen Leibwächter durch die Sprechanlage und ging anschließend ins dunkle Wohnzimmer. Ich brauchte kein Licht, um mich hier zurechtzufinden, und ich fühlte mich sicherer in der Dunkelheit. Von draußen drang ein seichter Schein Mondlicht ein. Das genügte mir. Ich war wie betäubt und fand mich in einem gedanklichen Chaos wieder.

Es konnte nur ein kurzer Moment verstrichen sein, als das Surren eines Handys auf dem Tisch mich aus meiner Starre riss. Eilig strich ich mir mit beiden Händen über mein hochgestecktes Haar und sammelte mich. Es war Gregors Telefon. Der Anrufer anonym. Ich nahm ohne darüber nachzudenken ab und lauschte. Keine Ahnung womit ich rechnete, aber was dann kam, warf alles über Bord, was ich über meinen Mann zu wissen glaubte.

„Hallo Herr Hillmann? Hier spricht Lydia. Lydia Stein, Ihre Tochter.“ Ihre Stimme sollte fest klingen, doch ich konnte ein leichtes Zittern darin vernehmen. Sie hatte Angst.

„Lydia? Lydia, die mir den Brief geschrieben hat?“, flüsterte ich, ohne die Verwechslung aufzuklären.

„Frau Hillmann?“ Jetzt verbarg sie ihre Aufregung nicht mehr. Im Gegenteil, sie klang fast erleichtert.

„Ja.“

„Frau Hillmann, Sie sind in Gefahr.“

„Ich weiß mein Kind, ich habe deinen Brief erhalten, nur leider viel zu spät. Wo bist du, in Gottes Namen?“

„Es tut mir leid, ich wusste nicht, wie ich anders mit Ihnen in Verbindung treten sollte.“

„Bitte entschuldige dich nicht, sag mir einfach, wo du bist. Du wirst seit zwei Wochen vermisst.“

„Ich wurde entführt.“ Eine Pause entstand. Ich hörte, wie jemand im Hintergrund etwas sagte. Ein Mann. Aber ich verstand nicht, worum es ging, Lydia hatte offenbar die Hand auf das Mikrofon ihres Telefons gelegt. Dann raschelte es und sie sprach schnell.

„Frau Hillmann, Ihr Mann ist mein Vater und er wurde erpresst. Er dachte, Sie haben ihm Drohbriefe geschrieben und er wollte Sie deshalb umbringen und ließ mich entführen. Aber H… mein Entführer mag Sie und er will uns helfen. Er wird gegen Ihren Mann aussagen. Und…“

„Leg sofort das Telefon weg“, drohte mir die vertraute, aber eiskalte Stimme meines Mannes. Sofort schrak ich herum. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Gregor hielt eine Waffe in der Hand, jedenfalls glaubte ich, die Umrisse im Dunkeln ausmachen zu können.

„Frau Hillmann? Sind Sie noch da?“

„Bring dich in Sicherheit“, flüsterte ich, ehe ich das Telefon, ohne aufzulegen, auf den Tisch schob. Es raschelte noch einmal, dann erklang das Besetztzeichen, bevor vollkommene Stille eintrat.

„Gregor…“

„Jetzt weißt du es, hm?“ Wie lange hatte er da gestanden? „Die kleine Lydia wollte ihren eigenen Vater verraten.“ Mir stockte der Atem, ich war froh, dass ich saß. Allmählich erkannte ich Gregors Gesicht. Er sah so selbstgefällig aus, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. Er hielt tatsächlich eine Waffe in den Händen und zielte damit auf mich. Seltsamerweise hatte ich gar keine Angst. Noch immer vertraute ich ihm, er würde mich nicht erschießen. Aber er hat den Mord an dir in Auftrag gegeben, erinnerte ich mich und rückte auf dem Sessel, Gregors Lieblingsmöbel, vorsichtig etwas nach vorn. Hundert Fragen drängten sich in meinen Kopf, aber ich war nicht im Stande, auch nur eine davon auszusprechen.

„Was mach ich jetzt mit dir? Wenn ich dich erschieße, ist mein Leben vorbei. Lasse ich dich laufen, ist es ebenfalls vorbei.“

„Gregor, ich…“

Ein Schuss hallte durch die Leere, die die Dunkelheit mit sich brachte und ich schloss die Augen, wartete auf den Schmerz, der nicht kam. Als ich wieder aufsah, sank Gregor mit aufgerissenen Augen zu Boden. Hinter ihm stand Leopold Ferster mit gezogener Waffe.

Unsere Blicke trafen sich. In diesem Moment begriff ich. Mein Mann wollte mich tot sehen und er hätte den Abzug betätigt.

Eine Woche später zog die kleine Lydia in die Villa der Kanzlerin ein und erhielt endlich die Liebe, die ihr all die Jahre vorenthalten wurde. Katharina Hillmann, fand zu neuem Lebensmut und kämpfte gegen Ihre Krankheit an. Sie gewann die Wahl im folgenden Jahr erneut und sorgte für noch mehr Sicherheit in ihrem Land.

 

 Kommentar der Autorin:

Meine Tutorin merkte an, dass der Alltag einer Kanzlerin ganz und gar durchstrukturiert ist. Jede Minute ist genau geplant. Das ist wahr und ich hätte hier besser recherchieren sollen. Dennoch bleibt Katharina so wie sie von mir beschrieben ist. Der Tod ihres Freundes und ihre Krankheit, haben sie verändert. Außerdem spielt der Krimi nicht genau in unserer Zeit, sondern könnte gut im Jahr 2026 spielen. Meine Tutorin hat mir noch weitere Ungereimtheiten aufgezeigt, die ich nicht von der Hand weisen kann, trotzdem benenne ich diese hier nicht, sondern lasse euch selbst ein Urteil fällen. Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare und bedanke mich schon jetzt dafür. Aber bitte seid nachsichtig! Das war mein erster Versuch einen Krimi zu schreiben 😉 Danke

Eure J. S. Ann

Als die Angst uns einholte!

Am Ende des Ganges konnte ich die ältere Frau sehen, die meine Mutter und mich aus den Trümmern unseres Hauses gerettet hatte. Für ihr Alter, ich schätzte sie auf Mitte 50, war sie erstaunlich kräftig und fit. Meine Mutter war ungefähr im selben Alter, aber sie trieb nie Sport. Muskeln, wie bei der Frau, ihr Name war Patricia, hatte ich bei ihr nie gesehen.

Wachsam wie jeden Tag, seit wir hier waren, beobachtete sie die Umgebung durch das schmale Sichtfenster der Tür. Vor zwei Tagen gesellte ich mich zum ersten Mal zu ihr. Sie hatte zwar nicht viel zu erzählen, aber ich empfand ihre Stimme als beruhigend. Meine Mutter wirkte immer nur panisch. Ich hatte genug eigene Angst und keine Kraft, die meiner Mutter mit zu tragen.

„Na Anna, wie geht es dir?“, fragte mich Patricia freundlich. An ihrer Stimme hörte ich, dass es sie ehrlich interessierte. Sie lächelte nie. Aber wer tat das schon in diesen Zeiten?

„Gut, danke. Und Ihnen? Haben Sie etwas Neues erfahren?“ Kopfschüttelnd beantwortete sie die eine Frage und ignorierte die andere. Gestern und vorgestern war es das Gleiche gewesen.

„Ich habe da was gefunden“, erzählte ich und reichte ihr den vergilbten Zeitungsartikel, den ich in einem der oberen Stockwerke beim Schnüffeln gefunden hatte.

„Du hast dich wieder von der Gruppe entfernt?“, tadelte sie mich, ohne wirklich verärgert zu wirken. Aus diesem Grund zuckte ich mit den Schultern. Ich hatte kein schlechtes Gewissen und ich wollte ihr auch keines vorspielen.

„Na, zeig mal her.“ Während sie den Artikel las, seufzte sie schwer. Immer wieder sah sie aus dem Fenster, als wäre ich gar nicht da. Einen Moment war ich mir nicht sicher, ob sie noch etwas sagen würde, oder genau wie ich einfach daran zurückdachte, wie schön wir es einmal hatten.

„Die Menschen waren so naiv“, eröffnete sie schließlich und wendete den Blick von der Umgebung ab und sah mich direkt an. Ihre blauen Augen wirkten bekümmert und müde. Auf ihren Wangen sah ich den gleichen Schmutz wie bei meiner Mutter und den anderen, die sich hier versteckten. Aber ihre Kleider wiesen deutlich mehr Risse und Verschleißspuren auf, als die von uns übrigen. Von den Unterhaltungen in der kleinen Halle im Keller, wusste ich, dass sie fast allen die hier waren, bei der Flucht geholfen hatte. Kein Wunder, dass sie müde aussah. Ich hatte schon wieder fast vergessen, dass ich ihr den Zeitungsschnipsel in die Hand gedrückt hatte, als sie mir übers Haar wuschelte.

„Damals hat man geglaubt, es würde sich alles zum Guten wenden, aber nichts wurde dafür getan. Die Menschen haben zugesehen, wie abermals eine Religion die Macht über den freien Willen der Menschen ergreift. Jetzt sind alle tot, die glaubten, das aussitzen zu können, und die Überlebenden kämpfen erbittert um jeden Atemzug. Mit Leben hat das nichts mehr zu tun.“

„Glauben Sie, dass sie uns umbringen, wenn sie uns finden?“

„Ganz sicher sogar.“

„Hm“, seufzte ich und sank mit dem Rücken zur Wand auf den Boden. Mir wurden die Knie weich, bei ihren Worten. Meine Mutter weinte ständig um ihr eigenes Leben. Ich glaube, ihr war gar nicht bewusst, wie sehr sie mich damit kränkte. Alle anderen Familien oder Eltern in unserem kleinen Lager bedauerten ständig ihre Kinder. Bei uns war das anders, obwohl ich gerade erst 19 Jahre alt war, betrauerte meine Mutter nur ihre letzten Jahre, die ihr verloren gegangen waren.

„Lass den Kopf nicht hängen, Anna. Wir sind ja nicht allein. Irgendwo außerhalb von Deutschland gibt es ganz bestimmt noch Nationen, die es nicht so hart getroffen hat. Wenn sie sich erholt haben, kommen sie uns helfen.“

„Glauben Sie das wirklich? Die letzten Nachrichten, die ich gehört habe, sagten etwas anderes. Gerade Russland und die USA sind wohl besonders schlimm betroffen. Wer soll uns denn helfen?“

Darauf schien sie keine Antwort zu haben. Ohne Regung zu zeigen, sah sie wieder nach draußen und ich auf den Boden.

„Haben Sie Kinder?“, hörte ich mich zu meinem eigenen Erstaunen fragen. Schuldbewusst heftete ich den Blick auf meine Füße. Ob ich mir nur eingebildet hatte, dass sie zusammen zuckte, oder es wirklich passierte, wusste ich nicht. Aber ihr Fuß wippte nun unheimlich schnell. Irgendetwas hatte meine Frage ausgelöst. Vermutlich war ich in einen dieser Fettnäpfe getreten, die hier alle 5 Zentimeter aufgestellt waren. Beinahe jeder in diesem Versteck vor dem IS, hatte jemanden verloren, den er liebte. Wie viele Freunde und Mitglieder der eigenen Familie zum Islamischen Staat übergelaufen waren, war aber dabei die größte Überraschung. Gehirnwäsche durch Spiele auf dem Handy, hatte man in einer der letzten Nachrichtensendungen gesagt. Zum Glück hatte ich kein Smartphone. Meine Mutter duldete das nicht. Insgeheim konnte ich ihr dafür wirklich dankbar sein. Da mir Patricia nicht antwortete, vermutete ich, dass auch sie Kinder hatte. Vielleicht waren es ebenfalls Überläufer oder sie waren bei dem Versuch zu fliehen ums Leben gekommen. Hier ging sie jedenfalls mit niemandem besonders vertraut um.

„Es ist jetzt seit zwei Tagen nichts mehr passiert da draußen. Ich denke wir können morgen versuchen uns ein neues Versteck zu suchen.“

Jetzt sah ich mit aufgerissenen Augen auf.

„Wirklich?“, piepste ich. „Aber ist es draußen denn nicht zu gefährlich?“

„Doch schon. Aber wenn wir es bis rüber zum Park schaffen, können wir von dort aus in die U-Bahn Schächte und unterirdisch aus der Stadt raus. Ich denke, auf dem Land ist es sicherer, als hier.“

„Aber hier haben wir wenigstens was zu essen.“

„Auch nicht mehr lang. Es ist doch jetzt schon fast alles geplündert. Außerhalb können wir vielleicht selbst etwas anbauen“, gab Patricia wenig überzeugt von sich.

Ich glaubte auch nicht an ihre Worte. Wenn man es hochrechnete, dann waren 8 von 10 Menschen zum IS übergewechselt. Wir hatten im Ernstfall keine Chance. Wir hatten ja nicht einmal Waffen. Patricia war die einzige mit einer Schusswaffe. Nicht, dass wir nicht versucht hätten, welche zu stehlen, aber die Läden waren leer. Bestimmt schon bevor der große Anschlag stattfand. Bevor die Bomben und Granaten in sämtlichen Einkaufszentren, Bahnhöfe und große Wohnblöcke fielen. Wenn die letzten Mitteilungen aus dem Radio korrekt waren, dann wurden zuerst sämtliche Regierungen ausgelöscht und anschließend alles, was mit Konsum zu tun hatte. Lebensmittelgeschäfte ausgenommen, außer sie waren in den großen Zentren der Städte. Hier im Außenbezirk Spandau gab es noch einige Geschäfte die es nicht erwischt hatte, aber in der Innenstadt von Berlin war wohl kaum noch normales Leben möglich. Zwei Familien, die mit uns geflohen waren, hatten sich gerade so aus der Stadtmitte retten können. Sie hatten Videos auf ihren Telefonen. Es kostete mich große Mühe, diese Bilder aus meinem Kopf zu verbannen. Bilder von zerfetzten Leichen, zerstörten Häusern, die eindeutig als Kindertagesstätten zu identifizieren waren.

„Scheiße“, fluchte Patricia plötzlich und zog mich auf die Beine.

„Was ist denn los?“, kreischte ich alarmiert und stolperte bei den ersten Schritten über meine eigenen Füße.

„Da draußen ist eine ganze Armee und ich fürchte, die durchkämen jedes Gebäude“, krächzte sie heißer und atemlos. Patricia hatte Angst, genau wie ich. So zitternd hatte ich sie noch nicht sprechen hören. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter, als wir bereits den Gang entlang sprinteten, um die anderen zu warnen. Aber da hörte ich schon erste Schüsse und Schreie von panikerfüllten Menschen. Bevor wir die kleine Halle erreichten, kamen aus zwei Seitengängen vermummte Kämpfer gerannt und schossen, kaum, dass sie uns sahen. Ein stechender Schmerz im ganzen Körper ließ mich zu Boden gehen. Dann wurde alles schwarz.

Das erste professionelle Feedback ist da! Und wie geht es weiter?

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Im Rahmen meines Autorenstudiums, habe ich nun meine fünfte Einsendeaufgabe im Bereich „Roman“ eingesendet. Postwendend kam auch die Bewertung.

Bevor ich zur Note komme, die ich mir entgegen den anderen Aufgabenrücksendungen, gleich zuerst angesehen habe, war das Feedback in diesem speziellen Projekt für mich ausschlaggebender. Warum wird sich im Laufe dieses Artikels deutlich zeigen.

Die Anmerkungen meiner Tutorin waren dieses Mal anders. Nicht weniger sachlich, nicht weniger fair, nicht weniger richtig! Sie waren dieses Mal deutlicher, denn auch ihr ist klar, dass mir mein Roman Projekt natürlich persönlich viel mehr am Herzen liegt, als die bisher eingeschickten vorgegebenen Aufgaben. Hier habe ich mein Buch vorgestellt, mit Exposé und erstem Kapitel. Ich war aufgeregt wie kaum jemals zuvor, denn ich wusste, ich würde Kritik bekommen, egal wie gut mir mein Roman gefällt. Und so kam es, dass ich mir schon beim Lesen der Anmerkungen, die Hand an die Stirn klatschen wollte, weil ich nämlich die absolut typischen Anfänger Fehler gemacht habe. Wie die aussehen?

  • Viel zu viel Story
  • Zu viele Erklärungen
  • Zu viele Figuren

Somit war der innerliche ‚Ärger‘ natürlich perfekt. Warum habe ich, obwohl ich dass alles vorher gelesen hatte, nicht beachtet? Warum studiere ich die Hefte durch, löse Aufgaben und beschäftige mich auch im Netz mit all diesen Themen, wenn ich es dann doch falsch mache? Ganz einfach! Weil ich es gar nicht bemerkt habe. Ich war so gefangen in meiner Geschichte und dem Bedürfnis, sie möglichst fassettenreich und genau zu beschreiben, dass mir diese ganzen Dinge gar nicht in den Sinn gekommen sind. Zum Glück, habe ich Testleser und zum Glück habe ich (hoffentlich) später auch Lektoren, die noch einmal darauf hinweisen, wenn ich es übertreibe. Bis dahin muss ich aber stetig an mir arbeiten, Szenen verändern, überflüssige Beschreibungen, Gefühle etc. streichen. Der Leser ist zwar anfangs von Gefühl gefesselt und kann sich so schnell in die Figur hineinversetzen, doch nach ein paar Seiten wird es ihm zu viel. Schlimmstenfalls ist er genervt, legt das Buch weg und kauft nie wieder etwas von mir.

Um noch besser zu lernen, was es mit „Überarbeiten“ auf sich hat, habe ich mir das Buch „So lektorieren Sie ihre Texte“ von Sylvia Englert zu Hilfe genommen. Das Buch ist wirklich sein Geld wert. Ohne große Umschweife wird darauf hingewiesen, was ein Buch braucht, um ein gutes Buch zu sein. Es beinhaltet Hilfestellungen und die nackte Wahrheit über Anfänger. Jeder der noch am Anfang steht, sollte sich solche Unterstützung holen. (Weitere Empfehlungen: James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ und Fritz Gesing „Kreativ Schreiben“)

Eine Sache habe ich bei all dem auch gelesen und auch zuvor in meinen Artikeln schon öfter erwähnt. LASST EUCH ZEIT! Warum? Weil ihr nur eine Chance habt einen guten Eindruck zu hinterlassen! Sicher streite ich nicht ab, dass es Autoren gibt, die ein natürliches Talent haben und ohne große Schwierigkeiten ein Buch herunter schreiben und sich das Buch auch gut verkauft. Sie müssen nicht so oft überarbeiten oder lassen einfach den Lektor die Fehler finden. Das sind aber meist Autoren, die bereits veröffentlicht haben und bei einem Verlag unter Vertrag stehen. Aber das sind Ausnahmen!

Ich selbst, möchte auch in jedem Fall versuchen, über einen Verlag zu veröffentlichen. Die Möglichkeit des self publishing kommt für mich nicht wirklich in Frage. Hier hat man zwar viel mehr Freiheiten und mit etwas Glück stößt ein Verlag auf das Werk und man bekommt auf diesem Weg einen Vertrag, aber das ist nicht mein Weg. Meistens, steht es aber bei Amazon, mit nur wenigen Rezensionen und wirklich mehr als Kosten verursacht, hat das Buch am Ende nicht. Hier argumentieren jetzt viele mit dem richtigen Marketing und dann läuft es schon. Aber so einfach ist es nicht. Gerade als Anfänger gibt es zu viel zu beachten und während man sich auf seinen Roman konzentrieren sollte, schlägt man sich mit Marketing und Formatierungstechniken herum.

Mein Weg führt mich also dahin, dass ich ein richtig gutes Buch bei einem Verlag bewerben möchte. Deshalb muss ich mir Zeit nehmen. Zeit für das was ich neu schreiben muss. Zeit es sacken zu lassen, um es später wie eine Fremde noch einmal zu lesen und die Fehler zu erkennen. Meinen Testlesern Zeit geben, dass sie sich wirklich genau mit meiner Geschichte auseinander setzen können und wieder Zeit für die Überarbeitung, bevor es in die Bewerbung geht.

Wie sieht denn an dieser Stelle, eure Einschätzung zu meiner Note aus? Vermutet ihr nun eher eine gute, oder eine schlechte Note?

Nach der Einschätzung und den Worten meiner Tutorin, hätte ich persönlich eine eher mittelmäßige Note erwartet und war entsprechend geknickt, weil ich zwar wusste, sie hat recht, aber mich über meine Fehler geärgert habe. Am Ende ist es aber trotzdem eine Zwei geworden und zwar ziemlich knapp an der Eins vorbei, weil das Exposé noch nicht gut war. Das ist aber noch eine Geschichte, die ich auch erst jetzt begriffen habe.

Zum Exposé habe ich mir vorher auch einige Meinungen eingeholt, aber so recht antworten konnte mir keiner, was da nun wirklich enthalten sein muss. Beispiele hatte ich auch keine, jedenfalls nicht von Büchern die ich dazu kannte, um einen Vergleich ziehen zu können. Jetzt, dank der Anleitung meiner Tutorin, kann ich das Exposé mit ganz neuem Antrieb angehen.

Um auch weitere Meinungen zu erhalten, habe ich das Kapitel also noch einmal umgeschrieben und an meine Testleser geschickt. Alle haben noch nicht geantwortet, aber trotzdem habe ich einen Entschluss gefasst. Bei mir kommt im September endlich der ersehnte Umzug in eine andere Wohnung. Seit über zwei Jahren suche ich nun schon, weil ich mich in meinen vier Wänden nicht mehr wohl fühle. Das Wissen über die Veränderung äußert sich bei mir nun mit vorfreudiger, innerer Unruhe. Deshalb habe ich beschlossen bis Ende August endlich alle Charakterbögen fertigzustellen, alle Kapitel zu plotten, aber erst wieder mit dem Schreiben beginnen, wenn ich in meiner neuen Wohnung angekommen bin. Vermutlich wird das dann ab Oktober sein. Vielleicht nutze ich dann im November auch den NaNoWriMo gleich mit. So lange ich mich nicht wohl und innerlich unruhig fühle, kann das auch mit dem Schreiben nichts werden.

Jetzt heißt es außerdem im Studium fleißig weiter machen und auch mit viel Freude auf meine anderen Ziele weiter hin zu arbeiten.

Eure J. S. Ann

Überarbeitung!

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Was bedeutet „Überarbeiten“ genau?

Mit dieser Frage beschäftige ich mich in meinem heutigen Artikel und hoffe damit auch anderen ein wenig dabei zu helfen, ihren Überarbeitungen positiv entgegen zu blicken. Etwas zu überarbeiten ist mit gemischten Gefühlen einhergehend. Einerseits hat man Ideen, andererseits erfordert es ein hohes Maß an Fleiß und Bereitwillen, sich Neuem zu öffnen.

So überarbeite ich aktuell nicht nur mein Skript, sondern auch meine Geschichte und meine ganze Arbeitsweise.

In den vergangenen Wochen, seit Fertigstellung meiner Rohschrift, habe ich das Projekt ganz bewusst ruhen lassen. Ich habe versucht so wenig wie möglich an meine Geschichte zu denken und schon gar nicht nachgelesen, weder im Skript noch in meinen Notizen. Dadurch sind ganz von allein neue Eindrücke entstanden, Ideen und Hintergründe von denen ich bislang keine Ahnung hatte, haben mich heimgesucht. Natürlich sind all diese Neuigkeiten in einem Notizbuch gelandet. Aber nicht mehr als das. Ich habe es aufgeschrieben und nicht zurückgeblickt, oder gar versucht diese kleinen Gedankenfetzen zu analysieren und auszuschmücken. Alles ist so stehen geblieben wie es mir gerade in den Sinn kam.

Nachdem meine ‚Reifephase‘, ein Zeitraum den ich mir selbst gesetzt hatte, vorbei war, bin ich mit folgenden Überlegungen an die Überarbeitung heran getreten:

1. Ich brauche einen Plan!

2. Wie soll der Plan aussehen?

Also habe ich mich daran gemacht zu recherchieren und vor allem habe ich im Rahmen meines Studiums alles darüber gelesen, was ein guter Roman vorweisen muss. Aus all den gesammelten Informationen, Gesprächen mit meiner Tutorin und anderen Autoren habe ich die für mich besten Ansätze für einen Überarbeitungsplan zusammen gesammelt und aufgelistet:

  1. Alle Ideen die während der Reifephase aufgelaufen sind, in eine Liste zusammenfassen. Das dient nicht nur der besseren Übersicht, sondern ruft auch alle kleinen Schnipsel wieder ins Bewusstsein. Kleinigkeiten sind so schnell vergessen.
  2. Alle Notizen, die ich während des Schreiben meines Buches gemacht hatte, habe ich mit den neuen Ideen verglichen und eine neue Liste verfasst, in der nur noch die Ideen Platz gefunden haben, die mir schlüssig erschienen und gefallen haben.
  3. Ich habe angefangen mein Manuskript zu lesen, Kapitel für Kapitel und habe auch hier wieder neue Notizen gemacht. Jetzt sind meine Anmerkungen aber wesentlich detaillierter geworden und es gab einige Aha-Momente. Es geht soweit, dass ich für jedes Kapitel einen genauen Handlungsablauf erstellt habe. Weil ich die Perspektive aus der ich das Buch schreibe verändern möchte, muss ich ohnehin alles umschreiben und habe deshalb auch einen neuen Startzeitpunkt festgelegt.
  4. Charakterbögen erstellen. Die Rohfassung habe ich aus dem Bauch heraus geschrieben und immer wenn eine neue Figur dazu kam, habe ich nur kurze Infos über diese Person aufgeschrieben. Die meisten haben nicht mal ein komplettes Aussehen, geschweige denn einen Charakter besessen. Die Hauptfiguren kannte ich im Kopf auswendig und war der Meinung mir keine Aufzeichnungen zu ihnen machen zu müssen. Aber das ist falsch! Deshalb habe ich begonnen zu jeder Figur einen Charakterbogen anzulegen. Auch hier habe ich mir vom Studium und anderen Autoren Anregungen geholt, welche Infos ich unbedingt über meine Figur benötige.

Während all dieser Schritte ist mir aufgefallen, dass ich zwar konsequent und auch kontinuierlich an meinem Buch arbeite, aber relativ langsam bin. Erst hat mich das negativ beherrscht. Ich wollte genauso schnell sein wie andere, von denen ich in sozialen Netzwerken gelesen habe, wie viel sie jeden Tag schaffen. Dieses Denken hat mich so sehr unter Druck gesetzt, dass ich mich entschlossen habe ein bisschen weiter zu recherchieren. Dabei habe ich herausgefunden, dass viele Autoren ihre Ideen nicht nur Jahre reifen lassen, ehe sie mit dem Schreiben beginnen, sondern auch dann noch einmal Jahre benötigen, ehe das Werk bereit für die Veröffentlichung ist. Das hat mir viel Druck genommen. Jetzt macht mir das Überarbeiten viel mehr Spaß und ich komme super voran. Gut Ding will Weile haben!

Überarbeiten bedeutet also für mich, nicht nur meine geschriebenen Seiten in Form und bessere Qualität zu bringen, sondern vor allem meinen Arbeitsstil so anzupassen, dass ich mit gutem Gewissen alles schaffe und nicht aus den Augen verliere worum es mir geht: Ein gutes Buch schreiben, um damit meine zukünftigen Leser zu begeistern.

An dieser Stelle ist es auch Zeit mich einmal bei meinen Unterstützern außerhalb der Autorenszene zu bedanken. Besonderer Dank gebührt meiner Schwester, die wirklich alles von mir liest, ehrlich kritisiert und immer für mich da ist. Meiner lieben Cousine, die mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Meiner lieben Freundin Sarah, die gar nicht zu wissen scheint welch unglaubliche Stütze sie mir immer und immer wieder ist, einfach weil sie mit mir über meine Geschichte schwatzt oder mir sagt, dass ich toll schreiben kann und die sich meine Sorgen anhört. Und mein Kollege und Freund Marco, der mir nie böse ist, sich all den Sch… anhört, der mich belastet und mir stets mit Rat und Tat aus Sicht eines Mannes zur Seite steht. Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Unterstützung und Freundschaft! Ohne euch würde ich all das gar nicht schaffen.

J. S. Ann

 

Mein Buch ist fertig!?

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Ist mein Buch geschrieben? Ja. Ist es fertig? Nein.

In meinem heutigen Artikel möchte ich darüber sprechen, wie es ist ein Buch zu schreiben und wie fertig, fertig ist.

Außerdem möchte ich erzählen was ich während dem Schreibprozess alles gelernt habe. Wie nah ich meinen Grenzen war und wie ich jetzt über die letzten drei Monate denke. Außerdem hoffe ich sehr, dass ich mit diesem Artikel anderen jungen Autoren ein bisschen helfen kann, ihren eigenen Weg zu finden.

Am besten beginne ich damit, wie es ist das kleine Wörtchen Ende zu setzen. Denn mit dem letzten Punkt, wurden bei mir einige Emotionen freigesetzt. Ich habe nicht geweint oder bin in freudiger Erleichterung durch die Gegend gesprungen. Eigentlich war ich sogar für ein paar Tage wie gelähmt. Einerseits war nämlich etwas abgeschlossen wovon ich seit Jahren träumte. Andererseits, war ich unzufrieden und damit kamen auch die Zweifel (die einen Autor ohnehin öfter überkommen).

Die Geschichte aufzuschreiben, die mir seit vielen Jahren durch den Kopf spukt hat für mich bedeutet, etwas abzugeben was nur mir allein gehört hat. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht, weil so viel dazu gekommen ist, womit ich einfach nicht rechnen konnte. Dinge die man als Autor vorher nicht sieht, die einem die Figuren erst auf dem Weg ihrer Geschichte erzählen. Langsam, Schritt für Schritt gewähren sie einem Einblick in ihre Welt. Eine spannende Welt, eine lustige wie auch traurige und interessante Welt. Aber mit diesen Einblicken kamen für mich auch ständig neue Erkenntnisse, die den ursprünglichen Gedanken meiner Story immer wieder verändert haben. Dadurch haben sich während des Schreibens schon immer mal Zweifel eingeschlichen. Ist meine Idee wirklich gut? Schreibe ich es auch verständlich und spannend? Versteht der Leser was ich ihm mit meinen Umschreibungen sagen will? Und leider musste ich mir diese Fragen zu oft mit ’nein‘ beantworten. Zugegeben, ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Aber wer keine Ansprüche an sich selbst stellt, kann keine besonders großen Leistungen bringen, richtig?

Also habe ich mein Fazit gezogen und nach ungefähr 18 geschriebenen Kapiteln und unzähligen Notizen mit Änderungsideen (da ich durchweg ohne zu ändern geschrieben habe) für mich festgelegt: Wenn du mehr Spannung reinbringen willst, musst du dich auf eine Sichtperspektive beschränken!

Damit zurück zu meiner ursprünglichen Frage: Ist das Buch geschrieben? Ja. Aber fertig? Definitiv Nein!

Das Wort –Ende- hat also nicht die Bedeutung wie man sie kennt und somit war ich zwar am Ende eines Prozesses angelangt, aber noch nicht am Ende des Projekts. Eigentlich, war dieses Ende sogar der Startschuss für einen neuen Anfang.

Jeder andere Autor wird nun sagen: Meine Bücher müssen auch überarbeitet werden.

Das ist korrekt. Aber hätte ich vielleicht doch hin und wieder eine Änderung eingeschoben, die mir in den Sinn kam, hätte ich vielleicht auch eher festgestellt, dass ich meine Perspektiv Wahl des allwisssenden Erzählers überdenken sollte.

Somit ist mein wichtigster Punkt, was ich beim Schreiben meines ersten Buches gelernt habe:

Ich werde künftig nicht mehr zwangsläufig durchschreiben, sondern Ideen zu Änderungen gleich umsetzen.

Ein weiterer Punkt, der sich daraus ergibt, ist die Planung und das Plotten. Dazu habe ich von vielen Autoren, erfahrenen und weniger erfahrenen, unterschiedlichste Meinungen gehört und saß eigentlich immer davor und fragte mich, was denn nun meine perfekte Methode ist? Antwort? Es gibt keine perfekte Methode. Jeder muss für sich austesten, was ihm besser liegt.

Nun bin ich zum Beispiel eine gute Bauchschreiberin. Bedeutet: Ich schreibe einfach drauf los und meistens wird es zum Selbstläufer. Meistens! Also habe ich eine grobe Planung erstellt und angefangen zu schreiben. Für mein erstes Buch auch definitiv die richtige Entscheidung. Für Band 2 werde ich es aber anders machen. Warum? Weil ich zu spät erkannt habe, was sich alles in der Geschichte verbirgt. Vieles hätte ich schon viel eher ansprechen müssen, habe es aber nicht getan, weil ich es noch gar nicht wusste. Am Ende bedeutet das sehr viel mehr Aufwand für die Überarbeitung. Da es eine wichtige Erfahrung für mich ist, macht mir das nichts aus. Die zweite wichtige Sache die ich gelernt habe, ist deshalb:

Ich werde künftig besser planen und einen genaueren Plot erstellen. Ideen finden sich auch in dieser Phase mehr als genug und ein ausgereifter Plot, lässt immer noch Raum für Selbstläufer und Eigenentwicklung der Figuren. Aber dann muss ich später nicht so viel überarbeiten.

Aus diesen Erkenntnissen hat sich für mich am letzten Sonntag (Tag der Fertigstellung des Rohmanuskripts) somit einerseits ein gutes Gefühl eingestellt, weil ich ‚fertig‘ war, andererseits aber auch eine gewisse Unzufriedenheit, weil ich der Meinung war, ich hätte es besser machen können. Woher ich das weiß? Ich habe mich definitiv vom Strom vieler anderer mitreißen lassen und vergessen auf mich zu hören und darauf zu achten, wie ich größere Projekte sonst angehe. Hinzu kommt, dass ich mir viel zu viel auf einmal vorgenommen hatte. Aber auch das weiß ich für die Zukunft besser zu machen. Punkt 3 in der Liste: Was habe ich beim Schreiben gelernt ist also:

Zukünftig werde ich mich nicht in einem Strom mitreißen lassen, der nicht meiner ist. Ich werde mir VOR Beginn die Möglichkeiten ansehen und entscheiden, wie ich es angehe. Und ich werde mich nicht mehr hetzen oder übernehmen.

In diesem Zusammenhang konnte ich auch noch eine wichtige Erkenntnis finden. Ja, ich möchte Autorin werden und ja, ich möchte all meine Geschichten veröffentlichen und es wäre toll, wenn ich mir damit ein Zubrot verdienen könnte. Aber eines ist sicher! Ich kann mir nicht vorstellen den ganzen Tag nur zu schreiben und das zu meinem Beruf zu machen. Ein Lernprozess der mich einige Nerven gekostet hat.

Ein Buch zu schreiben bedeutet für mich sehr viel mehr, als nur eine Geschichte zu Papier zu bringen. Es bedeutet auch mich selbst besser verstehen zu lernen, Fehler zu machen, mich total zu übernehmen, zu testen und herauszufinden was wichtig ist.

Wenn ihr euch fragt wie ich das nun für mein Buch nutzen kann, das bereits geschrieben ist, gibt es auch eine ganz einfache Antwort:

Die Geschichte steht, der Grundriss ist geschrieben. Das Ganze werde ich jetzt ein paar Wochen sacken lassen, mich wieder mehr meinen Freunden und anderen Hobbies widmen. Mein Studium weiter vorantreiben und Urlaub mit meiner Familie machen. Erst danach geht es ans Überarbeiten.

Ab Mitte Mai steht auf dem Plan, das Skript komplett zu lesen, alle neuen Ideen gedanklich einzubauen und eine neue Kapitelplanung aufzustellen. Es werden komplette Charakterbögen erstellt und wichtige Szenen hinzugefügt. Dann werde ich das Buch aus der nun festgelegten Perspektive komplett neu schreiben. In diesem Zusammenhang werde ich aber auch Band 2 planen/ plotten, so dass ich noch in diesem Jahr auch Band 2 in Rohfassung bringen kann.

Wenn ich meine Zeit richtig einteile, geht Band 1 im September an die Testleser. Davor habe ich allerdings noch große Angst. Wie werden sie wohl reagieren? Gefällt ihnen die Idee, die Geschichte, die Figuren? … das erzähle ich euch dann, wenn es so weit ist. Bis dahin habe ich neue Ziele und viel Arbeit vor mir. Aber nach einen kurzen Schreibtief (was laut anderen Autoren nach einem Meilenstein wie diesem normal ist) freu ich mich sehr auf die neuen Aufgaben und vor allem darauf mein Buch so umzuschreiben, dass ich selbst damit zufrieden sein kann.

Für alle Autoren die diese Probleme kennen: Hört immer auf eure innere Stimme. Arbeitet so wie ihr euch wohl fühlt. Nehmt euch Tipps von anderen an, probiert sie aus, aber findet euren eigenen Weg. Und wenn ihr mitten drin feststellt, dass ihr unglücklich mit der Arbeitsweise seid, dann scheut euch nicht davor einfach umzustellen oder noch einmal von vorn anzufangen. Der Trend tendiert leider in der heutigen Zeit alles in kürzester Zeit fertig zu bekommen. Das Internet unterstützt diese Schnelllebigkeit. Aber in meinen Augen darf eine gute Geschichte, genau wie ein guter Wein ein wenig reifen. Gerade wenn man noch am Anfang steht.

In diesem Sinne: Nehmt euch Zeit für die Dinge die ihr liebt, dann werden sie auch so wie ihr sie haben wollt.

Eure

J. S. Ann

Authorwing

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Die Idee zu Authorwing stammt von meiner lieben Kollegin Ally J. Stone. Um es kurz zu beschreiben. Authorwing ist eine Gemeinschaft aus erfahrenen Autoren (Wings) die unerfahrenen Schreiberlingen (Schützlinge) auf ihrem Weg zur ersten Veröffentlichung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Und was bedeutet dieses Projekt nun für mich, als Schützling, jemand der begeistert schreibt und davon träumt ein eigenes Buch zu veröffentlichen?

Das ist eigentlich mit einem Wort zu erfassen:

 

Erleichterung!

 

Nun könnte ich den Blogartikel hier abschließen, weil grob gesehen alles gesagt ist. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Außerdem hoffe ich mit meinem Artikel auch anderen Anfängern ein bisschen Mut zu machen, ihr Ziel zu verfolgen und sich bei Authorwing als Schützling zu bewerben.

 

Für mich hat Authorwing genau genommen sogar schon letztes Jahr begonnen. Nämlich mit der Entdeckung von Simply Human. Ein Blog von dem ich bereits erzählt habe. Ein Blog der mich zu dem Buch „2 Jahre für immer“ und Alice, meinem Wing geführt hat.

Sie hat mir also ohne es zu wissen schon Mut gemacht, hat mir gezeigt wie mein Weg aussehen kann, wenn ich ihn verfolge und mit ihren Tipps sogar schon Lösungen für manche meiner Probleme parat gehabt. Alles noch ohne bewusst an meiner Seite zu stehen, hat sie mir bereits tatkräftige Unterstützung gegeben. Irgendwann habe ich sie schließlich angeschrieben, wir kamen ins Plaudern und beschlossen, dass sie mich coachen wird, da sie auch als berufliches Ziel vor Augen hat, andere auf ihrem Weg in ein besseres Leben zu coachen.

Ich war absolut entzückt. Ein anderes Wort kann einfach nicht beschreiben, wie ich mich über diese Aussicht gefreut habe. Unser erster Termin stand und ich war tierisch aufgeregt. Alice ist jünger als ich und trotzdem erfahrener, da sie einen Weg gegangen war, den ich noch vor mit hatte (habe).

Tja und dann war es so weit. Wir haben uns über Skype zusammen gefunden und drauf los geschnattert, wie es Frauen so tun. In diesem ganzen Geschnatter sind bei mir schließlich zwei A4 Seiten mit Notizen zusammen gekommen. Wir hatten also neben einem äußerst amüsanten Gespräch über alles Mögliche, ziemlich viele Informationen ausgetauscht, mit denen ich mich zunächst beschäftigen musste. Nach dem Gespräch war ich glücklich und total ausgelaugt. Kopfmüde, wie ich immer sage, weil ich es einfach nicht besser ausdrücken kann.

Außerdem war es spät geworden. Wir hatten immerhin 6 Stunden telefoniert.

Am nächsten Tag, als ich wieder fit und frisch im Kopf war, habe ich mir meine Notizen vorgenommen und gelesen, was ich alles als ToDo aufschreiben musste und was als Info´s für Später. Eine Liste „Raus aus meinem Kopf“ hatte ich bereits während dem Telefonat angelegt. Denn wie sicher jeder erfahrene Autor und auch Neuling weiß, denkt man viel zu oft über Dinge nach, die erst sehr viel später bedacht werden müssen. Aber die Info zu haben, kann nicht schaden, also ab damit auf eine Liste! (Ja, ich steh auf Listen)

Es blieb danach aber immer noch ziemlich viel übrig was ich in naher Zukunft beachten musste. Motiviert wie ich aus dem Gespräch war, setzte ich mich also zunächst daran alle Internet Seiten die mir Alice empfohlen hat in meine Favoriten aufzunehmen und die Lesezeichenleiste meines Internet Explorers auf sortierten Stand zu bringen, weil ich nicht mehr durchgeblickt habe. Jetzt gibt es eine saubere Übersicht und alles was ich brauche lässt sich schnell finden. Vor allem der Blog, den sie mir empfohlen hat um übers Bloggen zu lernen, weil ich auch in diesem Punkt blutiger Anfänger bin. Ein paar Artikel hatte ich schon geschrieben, aber ich möchte dauerhaft mehr Leser erreichen und hoffentlich auch einmal eine Hilfe für jemanden sein, der neu anfängt. Am Ende gibt man in seinem Blog schließlich Erfahrungen weiter, die anderen einmal nützlich sein sollen. Jedenfalls ist das mein Ziel!

Meinen Werdegang dabei zu erfassen, ist eine Art Therapie die den zusätzlichen Zweck hat, meine Gedanken und Probleme im Zusammenhang mit den Schreiben zu Papier zu bringen, um es aus meinem Kopf zu bekommen. Schreiben dient schließlich auch der Verarbeitung. Meistens, jedenfalls ist es bei mir so, überkommt mich schon der Ansatz einer Lösung, wenn ich das Problem niederschreibe. Genauso wie Platz für neue Ideen wird, wenn man eine Geschichte fertiggeschrieben hat.

Was ich in einem sechsstündigen Telefonat gelernt habe, ist unbezahlbar. Mir wurden die Augen geöffnet. Im übertragenen Sinne hat sie mir gesagt: Wenn du nicht anfängst zu schreiben, wirst du dein Buch auch nicht fertig bekommen. Aber wie schreibt man denn nun auf Kommando? Geht das überhaupt? Ich war der Meinung irgendwann überkommt mich die Muse und ich setze mich einfach hin und lege los. So kann man vielleicht anfangen, weil dieser Kuss der Muse vielleicht der Hinweis ist, dass die Geschichte nun lang genug in deinem Kopf gereift ist und es an der Zeit ist sie aufzuschreiben.

Somit habe ich Aufgabe Nr. 1 in Angriff genommen. Ich habe mich jeden Morgen eine Stunde an den Laptop gesetzt und getippt. Und siehe da. Nach nicht einmal zwei Monaten habe ich meinen Roman schon zu stolzen 15 Kapiteln geführt, von denen die meisten absolute Selbstläufer waren.

Schreiben auf Kommando funktioniert! Man muss nur anfangen!

Weiter ging es damit, das geschriebene in Ruh zu lassen. Es wird erst korrigiert, wenn alles runter geschrieben ist. Wahrscheinlich war das sogar noch eine größere Herausforderung für mich als Rollenspielerin, als das Schreiben auf Kommando. Bis auf eine Ausnahme, habe ich mich aber daran gehalten und musste feststellen, dass ich gut damit zurechtkomme. Die Ausnahme war unumgänglich. Es gab einfach ein Passage die ich auf Krampf reinnehmen wollte, die aber überhaupt nicht passte. Kurz entschlossen, habe ich auf löschen gedrückt und weg war es. Gut so! Denn danach konnte ich wieder besser schreiben. Ansonsten kann ich aber den Rat nur weitergeben. Erst Schreiben, dann lesen und Notizen machen, dann korrigieren! Korrigiert man gleich, wird man nie fertig, weil man immer wieder etwas zu mäkeln findet.

Ich möchte an dieser Stelle nun nicht alle Einzelheiten vorbringen, die ich gelernt habe, das wäre auch zu viel auf einmal, aber ich wollte deutlich machen, was zwei einfache Tipps von jemandem mit Erfahrung bedeuten können. Ich hatte nichts, außer dem Willen ein Buch zu schreiben. Jetzt weiß ich wohin mein Weg führt, Band 1 wird in den nächsten Monaten fertig sein und der Plan für Band 2 steht auch. Eine weitere Geschichte formt sich zu etwas Genauerem zusammen, jetzt da wieder Platz in meinem Kopf ist und das erste Brainstorming dazu liegt in der Mappe. Was ich nämlich auch gelernt habe. Es ist möglich an mehreren Projekten zu arbeiten. Ich war der festen Überzeugung, ich darf mich nur auf eines konzentrieren. Aber warum eigentlich? Wer sagt, dass ich nicht mehr kann? Aus der Erfahrung meines Wings, habe ich unheimlich viele Informationen bekommen. Einfach weil sie mir ein bisschen von sich, ihrem Werdegang und ihren Schreiberfahrungen erzählt hat. Wie wertvoll das ist, kann ich gar nicht richtig beschreiben und achte deshalb immer darauf, mich zu bedanken, was ich auch mit diesem Artikel noch einmal tun möchte. Denn Fazit: Ohne meinen Wing, wäre ich gewiss noch nicht so weit vorangekommen. Ich hätte vielleicht mein Studium begonnen und mich darauf verlassen, dass ich danach Zeit zum Schreiben finden würde. Dass beides zugleich machbar ist, hatte ich nicht geglaubt. Aber es geht. Es geht sogar hervorragend und es geht noch mehr, denn Schreiben und Studium sind nicht meine einzigen Projekte. Auch das kann man von einem motivierten Wing lernen. Du kannst alles erreichen, wenn du etwas dafür tust, dich organisierst und den Willen hast Grenzen zu durchbrechen!

 

Mit diesem Artikel möchte ich mich bei allen Wings, vor allem natürlich bei dir liebe Ally, für eure tatkräftige Unterstützung bedanken! Und euch zukünftigen Autoren da draußen Mut machen, dass auch ihr euren Weg finden könnt, wenn ihr nur endlich anfangt. Autoren sind wohl die hilfsbereitesten ‚Konkurrenten‘ denen ich jemals begegnet bin.

 

Bleiben wir neugierig und schauen wie es weitergeht.

 J. S. Ann

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